Ich lieb euch, doch ich geh'
Liebe
Eltern, ich geh'
Ich komm' nicht mehr zurück nach
Haus'
Verzeiht!
Ich lass' euch jetzt allein
Einmal musste es sein
Wie ein
Vogel flieg' ich hinaus
So weit, so weit
Es ist
Donnerstagmorgen, kurz vor 5
Uhr.
Ich habe meinen
Koffer gepackt und gehe leise
durch die schlafende
Wohnung.
Ich gehe auf
Zehenspitzen zur
Haustür und halte den
Atem an.
Wie oft ha be ich das früher getan,
wenn ich nach zu spät nach
Hause kam und niemand
aufwecken wollte.
Gestern beim
Abendessen, da hatte ich das
Gefühl, meine
Mutter ahnte etwas.
Sie fragte, warum ich so blass sei und ob mir etwas fehlt,
ich sagte, nein, wieso, ist alles in
Ordnung.
Un d sie hat so getan,
als ob sie mir glaubte.
Jetzt komme ich an unserem
Auto vorbei,
es ist schon ein komisches
Gefühl.
Irgendwie hatte ich mir das alles aufregender
vorgestellt und schwerer.
Aber eigentlich,
es ist nur seltsam und fremd.
Ich darf mich jetzt nicht mehr umdrehen,
nicht mehr zurückschauen.
Da vorne ist schon der
Bahnhof und hinter dem
Bahnhof die
Freiheit.
Ich frage mich,
wieso spüre ich nur diesen
Druck auf der
Brust.
Es ist wie ein
Käfig, der mich fast am
Atmen hindert.
Un d ich frage mich, ob sich meine
Eltern wohl vorstellen könnten,
dass ich jetzt weine.
Nein, ich darf nicht mehr an zu
Hause denken.
Nur das nicht.
Nur noch nach vor
ne schauen.
Nur noch daran denken, was ich
mir geschworen habe.
Und warum?
Und wieso?
Es ist kurz vor sieben
Uhr.
Ich bin eingeschlafen in dem
Zug, der mich immer weiter wegfühlt.
Und ich denke wieder,
nur nicht zurückschauen.
Niemals mehr.
Ich liebe euch, doch ich geh.
Liebe
Eltern, ich geh.
Ich komm nicht mehr zurück nach
Haus.
Wie ein
Vogel fliege ich hinaus, so weit,
so weit.
Ich geh da -ra -ra -ra -ra -ra
Da -ra -ra -ra -da -ra
Ra -ra -ra -ra -ra -ra
So weit, so weit wie der
Welt
Ich geh da -ra -ra -ra -ra -ra
Ra -ra -ra -ra -ra -ra
Mit
Un tertiteln
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